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2021: Ein Annafest, das keines ist

FORCHHEIM (dco-) „Das was wir machen können, machen wir!“ Mit diesem deutlichen Statement richtete sich Bürgermeister Udo Schönfelder vor einiger Zeit an die Öffentlichkeit. Die Frage, wie das überregional bekannte Forchheimer Annafest 2021 aussehen sollte, war da noch nicht geklärt.

Polizei nimmt „Anna“ in Sippenhaft

Jetzt ist die Frage im Stadtrat geklärt. „Mehr war nicht zu machen. Weniger wollte ich nicht akzeptieren!“ fasst Udo Schönfelder die Beschlüsse zusammen. Konkret hat man sich auf sechs Attraktionen geeinigt. Drei Fahrgeschäfte für Kleinkinder und drei Süßwaren-/Imbissbuden. Diese sollen verteilt über das Kellerwaldgelände aufgestellt werden. Aber auf keinen Fall entlang der Kellerstraße. Mal schnell auf ein Eis in die Lützelberger Kurve abbiegen, wird nicht möglich sein. Coronabedingte Abstände könnten nicht eingehalten werden, wenn sich Schlangen vor den Buden bilden würden. Der untere Festplatz und der Festplatz, wo sonst das Riesenrad steht, sollten den Anforderungen genügen. Für das obere Plateau am Schützenkeller wird auf die gleiche Begründung verwiesen.

Kellerbetrieb soll Fahrt aufnehmen:

„Selbst die sechs geplanten Zusatzattraktionen würden schon über das Maß einer normalen Dorfkirchweih hinausgehen!“, verteidigt Manfred Hümmer den finalen Beschluss. Ziel sei es den normalen Kellerbetrieb wieder aufzunehmen. Gleichzeitig möchte man den Familien aber auch ein Angebot machen. Jeglicher Veranstaltungscharaklter soll vermieden werden. Zu groß sind die Befürchtungen der Kellerwald könnte sich zu Annafestzeiten zu einem Hotspot entwickeln. Das Erst gar nicht möchte man in die Verlegenheit kommen, dass das Landratsamt große Annafest Pläne zunichte macht. Bereits im vergangenen Jahr machte das Landratsamt den mutigen Vorstoß von OB Uwe Kirschstein das Königsbad vorzeitig zu öffnen, einen Strich durch die Rechnung.

Die Seele des Annafests: Geselligkeit mit Musik (bleibt auf der Strecke)

Genau dieser Mut fehlt den Beteiligten nun an allen Ecken und Enden. Denn im zweiten Jahr der Corona Pandemie sollten wir doch eigentlich nun schon weiter sein. Die Impfungen schreiten nach schleppendem Start immer mehr voran, in Forchheim eröffnet bald eine zweite Teststation (mit der geplanten Test Station vor Ort im Kellerwald wären es schon drei) und dennoch gipfeln die Bedenken von Stadträten und Polizei immer nur in weiteren Verboten. Der Kellerwaldbetrieb zum „Annafest 2020“ hat eindeutig gezeigt, dass ein regulärer Kellerbetrieb mit vereinzelter Live-Musik nicht zu unkontrollierten Auswüchsen führt. Der „Streit“ (Frank Streit, CSU) hat versucht dies mit seinem Einwurf deutlich zu machen: „Es geht nicht darum, dass Annafest-Feeling aufkommt, sondern das das Flair untermalt wird“, sagte er und verwies auf die stark steigende Zahl an Impfungen, die bis Sommer einen solchen Musikbetrieb ermöglichen könnten. Forchheims Polizeichef Prinzkosky blieb seiner Paraderoller als Mahner treu: „Ein guter Musiker wird es immer schaffen, die Leute auf seine Seite zu ziehen. Dann haben wir ruck zuck Halli Galli. Und wir müssen für Abstand sorgen. Das wird uns nicht gelingen“, machte der Polizeichef deutlich.

Erste Reaktionen: Galgenhumor bei Musikern und Annafest Liebhabern

Udo Schönfelder macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Auch er hatte sich bis vor wenigen Tagen noch ein „Nicht- Annafest“ mit Musik vorgestellt. Doch im Stimmen Wirrwarr geht das nun völlig unter. Dieter „Schalke“ Zimmerer- Frontmann von Sheila likes Tequila und sonst jedes Jahr mit seiner Band auf dem Greifkeller vertreten, hat bereits eine „Alternative“ parat: „Erste Planungen für ein Podium im Garten laufen. Weiß jemand wo man ein Riesenrad kaufen kann? Auf Kleinanzeigen find ich nix.“

Auch andere Annafest Gänger können dem Ganzen nicht viel abgewinnen:

“ So braucht das kein Mensch. Dann lieber gleich wie überall nochmal absagen und hoffen dass es 2022 klappt. Und dafür sitzt man stundenlang zusammen 

🙄
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Vielleicht wäre es am Ende wirklich besser gewesen keine vollmundigen Erwartungen zu schüren, wenn man der Ansicht ist, nach einem Jahr Pandemie. und Lockdown Erfahrung könne man der Bevölkerung nicht zutrauen ein Fest in einem vernünftigen, kleinen Rahmen zu feiern. Auf der Schlussgeraden der Pandemie mit wesentlich mehr verfügbaren Instrumenten als im letzten Jahr, hätte man diese Eigenverantwortung den Bürgern in aller Ruhe übertragen können. Leider hat der bayrischen Ministerpräsident Markus Söder mit seiner Empfehlung alle großen bayrischen Volksfeste in diesem Jahr vorzeitig abzusagen, die Kommunen unter Zugzwang gestellt. Kreative Lösungsansätze können so nicht fruchten.

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